
Der Bürgerkrieg in Kambodscha gehört in den historischen Kontext des Vietnamkriegs (1959-1975), einer der verlustreichsten Kriege des 20. Jahrhunderts. Der Krieg in Kambodscha ist ein tragisches Beispiel, wie die Entwicklung eines armen Landes durch den Bürgerkrieg für Jahrzehnte gestoppt und zurück geworfen wird.
In den fünf Jahren zwischen 1970-1975 ruinierte der Krieg die kambodschanische Wirtschaft, brachte Hungersnot und schreckliche Gewalttaten an der Zivilbevölkerung. 1975 errangen die Roten Khmer den Sieg und errichteten das Terrorregime unter Pol Pot. Ihre Herrschaft führte zu einer Hölle auf Erden mit einem der schrecklichsten Völkermorde der Geschichte. Die Opferzahl von Folter und Hinrichtung, Hungers- oder Erschöpfungstod wird auf 1,7 bis 2 Millionen Menschen geschätzt. Bezüglich des Bildungssektors sei erwähnt, dass vor allem Intellektuelle (es genügte schon, Brillenträger zu sein) verfolgt wurden. Nur 50 Ärzte und 5'000 von zuvor 20'000 Lehrern überlebten.
Die Roten Khmer wurden 1979 von vietnamesischen Truppen gestürzt. Kambodscha aber war tief erschüttert und destabilisiert. Die rivalisierenden Parteien – darunter die Anhänger des Königshauses und auch verbliebene Rote Khmer – bekämpften sich in einem Bürgerkrieg, der erst 1991, unter internationaler Vermittlung, gestoppt werden konnte. 1993 konnten Wahlen durchgeführt werden, und eine Verfassung trat in Kraft. Neue Wahlen folgten 1998, wobei es im Vorfeld wiederum gewalttätige Zusammenstösse gab. Trotzdem gelang mit diesen Wahlen die Herstellung von Stabilität. Die Roten Khmer lösten sich offiziell auf. Im Jahr 1998 starb Pol Pot.
Erst während der 90er-Jahre erholte sich Kambodscha demographisch und ökonomisch langsam vom langen Krieg – mit umfangreicher internationaler Hilfe. Die Säuberung des Landes von Minen wurde in Angriff genommen. Bis 1993 wurden 370'000 Flüchtlinge aus Thailand nach Kambodscha zurück geführt.
Die Verarbeitung der seelischen Verletzungen erforderte noch mehr Zeit. 1997 wurde eine Kommission für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Zeit der Roten Khmer eingerichtet. Es begann eine überaus schleppende Arbeit. Erst im Jahr 2010 fiel ein Urteil: der ehemalige Kommandant des berüchtigten S-21 Gefängnisses, Kaing Guek Eav («Duch»), wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt.
Die heutige junge Generation hört in der Schule kaum etwas von den Roten Khmer. Diese Zeit ist für sie nur eine Erzählung der älteren Leute.
Zerstörungen, die nach Kriegsende bleiben
Die Zerstörungen eines Krieges reichen weit über das Kriegsende hinaus – materiell und psychisch. Der Krieg fordert weiterhin seine Opfer. Minen, Umweltschäden, Gesundheitsschäden und Armut sind bleibende Kriegsfolgen in Kambodscha.
Minen und Bomben
Zwischen vier und sechs Millionen Landminen wurden während der langen Kriegsjahre verwendet. Zudem hat die US-Armee während des Vietnam-Kriegs Millionen von Cluster-Bomben über Kambodscha abgeworfen, von denen viele nicht explodiert sind. Etwa 35'000 Menschen haben in Kambodscha durch Minenunfälle Füße, Beine oder Arme verloren. Solchen Opfern begegnet man im ländlichen Kambodscha oft. Das Leben armer Familien wird noch schwieriger, wenn ein Mitglied einen Minenunfall erleidet.
Im Jahr 1996 wurden 4000 Unfälle registriert, im Jahr 2008 waren es noch 244. Obwohl also viele Gebiete gesäubert werden konnten – seit 1992 wurden rund eine Million Minen geräumt – können sich die Bauern auf den Feldern noch nicht vollkommen sicher fühlen. Im August 2010 etwa kostete eine Panzermine, die vor Jahrzehnten eingegraben wurde, das Leben von fünf Bauern in der Provinz Pailin, neun weitere wurden verletzt.
Umweltschäden
Mit ihrer flächendeckenden Bombardierung, der Entlaubung des Waldes durch Millionen von Litern Chemikalien, die von Flugzeugen versprayt wurden, und der Räumung von grossen Gebieten durch Traktoren hat die US-Armee immense, irreversible Schäden an der Umwelt angerichtet. Vormals wertvolle Ökosysteme sind heute Ödland. Die Umgebung von Produktionsstätten von Chemikalien ist bis heute stark kontaminiert. Zum verlorenen natürlichen Reichtum kommt die Gesundheitsgefährdung hinzu.
Gesundheitsprobleme
Das giftigste und langlebigste Nebenprodukt, das bei der Herstellung chemikalischer Waffen entstand, ist Dioxin. Das Gift wird mit Krebs, Geburtsschäden, Diabetes und der Störung des Nerven-, Immun- und endokrinen Systems in Zusammenhang gebracht. Viele betroffene Kinder brauchen lebenslange Hilfe ihrer bereits armen Familien. Bis heute ist es nicht gelungen, die Regierung der USA zur Offenlegung aller chemikalischen Kampfmittel zu bewegen, welche im Vietnam-Krieg eingesetzt wurden, was zu einem besseren Rückschluss bei Gesundheitsschäden führen könnte.
Fazit: der Krieg geht, die Armut bleibt
Viele Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs und nach dem Ende des Bürgerkriegs gehörte Kambodscha immer noch zu den armen Länder Asiens. Bis 2010 lebten rund 30% der Gesamtbevölkerung von 14 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Danach begann sich die Wirtschaft stärker zu entwickeln, massgeblich durch die Investitionen des aufstrebenden Chinas. Das Wachstum ist vor allem in den Zentren offensichtlich. In den ländlichen Gebiete bleibt noch viel Entwicklungs-Arbeit in allen Bereichen. Die Jobs, die geschaffen wurden, gingen jedoch auch an junge Menschen aus den ländlichen Gebieten, welche in die Zentren migrierten, so dass ihre bäuerlichen Familien ebenfalls einen Aufschwung spüren. Die Perspektiven auf ein gesichertes Leben sind in Kambodscha besser geworden. Trotzdem sind auch heute noch nicht alle Folgen einer mörderischen Kriegsperiode überwunden.